Eine kleine Beobachtung im Bus:
Eine Mutter nimmt ihr Kind aus dem Kinderwagen und setzt ihn neben mich auf den Sitz. Du setzt dich bitte hier hin. Der Junge, etwa zwei Jahre rutscht vom Sitz, läuft nach vorne zum Fahrer und lehnt sich über die Absperrung. Der Fahrer sagt nichts, sondern bleibt einen Moment länger an der zum Glück roten Ampel stehen, als unbedingt nötig.
Die Mutter: "Schatzi komm her, sonst wird die Mami böse" Dieses Gezwitscher hätte ich auch nicht ernst genommen. Da der junge Mann nicht kommt, läuft sie lächelnd nach vorne und holt ihn ab. Von der "bösen Mami" keine Spur. Er sucht sich beliebig seinen Sitzplatz aus, steht auf, läuft zu einem anderen Platz, fasst einen Mann am Bein an, den er offensichtlich nicht kannte. Endlich hat er scheinbar keine Lust mehr und setzt sich auf den von ihm gewählten Platz. Die Mutter steigt aus dem Bus.
"Komm Schatzi, wir müssen hier heraus." Der Busfahrer wartet geschlagene 5 Minuten, bis das Kind reagiert, zu seiner Mutter läuft, die mit dem Kinderwagen in der Tür steht und den Bus verlässt.
Woher soll das Kind wissen was es tun darf und was nicht. Die geträllerten Hinweise seiner Mutter kann es in dem Alter noch gar nicht wirklich verstehen. Es weiß nicht, was die Mami meint mit "sonst wir die Mami böse". Sie zeigte es nicht. Er durfte alles tun und lassen, was er wollte. Er erhielt keinerlei Rückmeldung darüber, was gut und was schlecht ist, was gewolltes und was nicht gewolltes Verhalten ist. Mit jeder Geste, jeder Handlung fragt das Kind seine Mutter: "Darf ich das? Wirst du es mir erlauben?" Und was antwortet die Mutter durch ihre Handlung? "Natürlich darfst du das. Auch meine Worte haben keine Bedeutung für dich."
Doch woher kommt ein solches Vorgehen, dass ich auch im Kindergarten immer wieder erlebe. In dem unten beschriebenen Buch finden sich Erklärungen. Doch sind sie nicht der Gral der Erleuchtung sondern eher ein Schrei nach mehr Grenzen, mehr Autorität und mehr Sicherheit für das Kind. Denn wenn die Eltern nicht bereit sind Konflikte durchzustehen, leiden die Kinder darunter. Ihre Frage nach dem Richtig und dem Falsch wird nicht beantwortet. Kinder werden im Ungewissen darüber gelassen, was sie tun oder auch lassen müssen, um ein erfülltes Leben zu führen. Sie können ihre Gefühle nicht einordnen, den sie bekommen sie nicht wirklich vorgelebt. Was bedeutet es für das Kind aus meinem Beispiel, dass die Mama sauer ist? Gar nichts. Die Worte werden zu einer Floskel, die sie in ihrem eigenen Leben nicht einordnen können. Doch wenn wir als Erwachsene den Kindern nicht zeigen, wie die Welt und wie sie selber funktionieren, dann werden viele dieser Kinder ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft nicht finden können.
Doch was werden Eltern brauchen, um einen anderen Weg zu gehen? Die Zukunft wird hoffentlich für diese Eltern und vor allem für deren Kinder noch ein Umdenken bringen.
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