Sonntag, 27. Dezember 2009

Leistungsbürger

Von Eltern wird viel verlangt. Sie sollen ihr Kind fördern, für den Arbeitsmarkt vorbereiten und ihr innewohnendes Potential zur Geltung bringen. Das ganze bitte partnerschaftlich, liebevoll und bloß nicht zu streng. Schließlich haben wir alle das Schreckgespenst der früheren autoritären Erziehung im Kopf. Nein, dahin darf der Weg nicht gehen. Kinder sollen schließlich partizipativ mitwirken an ihrer eigenen Entwicklung. Durch Selbstaktivität sollen Kinder ihr Potential entfalten. Hierfür bekommen sie undenkbar viele verschiedene Angebote von den verschiedensten Institutionen. Von Frühenglisch bis zum Naturerleben, alles wird angeboten. Sei es Tanz zur Steigerung des Selbstvertrauens oder Frühmathematik, damit es später in der Schule besser mitkommt, Eltern stehen als Rabeneltern da, wenn sie solche Angebote nicht wahrnehmen. So kommt es schon früh zu Stundenplänen im Kindergarten. Manch einer erhofft sich optimale Chancen für sein Kind, wenn es bereits frühzeitig in einem privaten Kindergarten betreut wird. Integration in das normale Milieu einer Stadt? Fehlanzeige…

Stundenpläne prägen bereits das Leben von dreijährigen Kindern. Optimale Bedingungen, um später in der Schule zurecht zu kommen, meinen die Eltern und auch die dort arbeitenden Pädagogen. Selbstentfaltung, Selbstentdeckung? Vielmehr wird dem Kind schon frühzeitig beigebracht: Du bist etwas besonderes, und zwar dann, wenn du viel leistest. Doch was wird aus diesen Kindern. Angepasst an ein leistungsorientiertes Milieu: Manche kommen damit klar, ihre Gefühle hinter dem verborgen, was mit ihnen gemacht wird. Denn es ist das Beste für sie.

Doch andere halten dem Druck von zu hause nicht stand. Wer schon im Kindergarten leisten musste, von dem wird es in der Schule erst recht erwartet. Doch jeder steht mal an einem Punkt, wo der eigenen Wille oder die eigenen Leistungsfähigkeit einfach nicht mehr weiter möchte. Das kennen die meisten Erwachsenen sicherlich und warum sollte es Kindern anders ergehen. Immerhin lernen sie für ihre Eltern und für ihre Lehrer. Und die Erwartungen sind hoch.

So finden Kinder ihre Strategien heraus aus der Hilflosigkeit durch das System zu kommen. Den etwas anderes erwartet die Kinder nicht. Hilflos dem System ausgeliefert zu sein. Die einen werden sicherlich sich verbiegen, versuchen leistungsbereit zu sein. Doch die anderen werden rebellieren. Leistungsbürger, deren Emotionalität bereits im Kindergarten keinen Platz hatte. Wohin mit den Gefühlen. Verschütten? Oder doch lieber herausschreien?

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