"Nur wer etwas besonderes bietet bekommt auch die Eltern in die Einrichtung, die etwas besonderes wollen. Die Einrichtungen, die das nicht tun, brauchen sich nicht wundern, wenn sie eben nur die Familien bekommen, die daran interessiert sind, dass ihr Kind von morgens früh bis abends betreut sind, damit sie sich nicht mehr kümmern brauchen. "
Mit diesen Worten schaffte es eine Kollegin, in meinem Kopf wieder mal einen neuen Gedanken anzustoßen. Wie wichtig ist es eigentlich, sich von der Masse abzuheben? Und vielmehr, wie wichtig ist es, dies nach außen transparent zu machen?
Die Intension von Eltern ihr Kind in einer Einrichtung anzumelden sind unterschiedlich. Die einen wünschen eine besondere Betreuung für ihr Kind. Die anderen wünschen sich eine Betreuung, die von ihnen selber nichts mehr fordert. So wurde mir berichtet von einer Kindergruppe mit 16 Kindern. Am Tag der Elternbeiratswahl war genau ein Viertel der Familien anwesend.
In einer anderen Einrichtung waren fast alle da und die wenigen anderen mussten sich entschuldigen. Diese Eltern standen noch in der selben Woche beim neuen Elternbeirat und holte sich die Informationen ab.
Sicherlich ist das Milieu für das die Einrichtung da ist, ein bedeutender Faktor bei solchen Unterschieden.
Doch der Gedankengang oben führte bei mir dazu, dass ich folgende These aufstellen möchte:
- Eine Einrichtung, welche ihre pädagogische Arbeit aber auch deren Einschränkungen (Personal, finanzielle Mittel, usw.) für Eltern und außen stehende offen legt, erklärt sich selber. Dies führt zu Verständnis bei "Versäumnissen" aber auch zu einer erhöhten Bereitschaft zur Mitarbeit (die Erzieher geben ihr Bestes. Wir überlegen, wie wir sie unterstützen können, damit es nicht verpufft)
- Wenn Eltern über den Tag im Kindergarten informiert sind, d.h. sie wissen, was ihr Kind erlebt und welche Konflikte, aber auch welche schönen Momente es im Tag erlebt hat, dann fühlen sich Eltern in der Einrichtung involviert.
So viel zu den Bereichen der Transparenz im Alltag. Und was hat das jetzt mit dem Profil zu tun?
Meine Thesen gehen noch weiter:
- Eltern müssen im Vorfeld darüber informiert sein, wie und warum die Arbeit so gestaltet ist, wie sie es ist. Dazu müssen die Erzieher eine Linie haben und diese den Eltern klar verständlich verdeutlichen. Dann können sie sich für oder gegen eine Einrichtung entscheiden. Eltern, welche etwas besonderes wollen werden nachfragen. Doch es sollte selbstverständlich sein, dass nicht nur auf Nachfrage sondern generell den Eltern diese Informationen zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehört der mündliche Weg, aber auch der Schriftliche. Und wieder sind wir bei meiner 1. These. Wenn es nichts schriftliches gibt, sollten Eltern darüber informiert sein, warum es nichts schriftliches gibt, was sie sich anschauen können.
Und wieder die Frage: Was hat das mit einem Profil der Einrichtung zu tun?
Genau das ist es, was den Eltern im Vorfeld und auch im Verlauf immer wieder deutlich gemacht werden sollte. Die Erzieher orientieren sich am Profil. Und dies sind auch die Informationen, die den Eltern gegeben werden. Was machen wir, wie machen wir es und was wollen wir damit erreichen?
Dieses muss klar umrissen sein. Alle Erzieher der Einrichtung gehen in diese Richtung und verfolgen diese Ziele und den Weg dorthin.
Ein Profil ist etwas, was schwer zu beschreiben ist, aber im Alltag klar umrissen sein sollte. Deswegen an dieser Stelle ein Beispiel:
Eine Einrichtung möchte ganzheitlich, partizipativ arbeiten. Die Kollegen überlegen sich:
- Wie verstehen wir dies?
- Was müssen wir dafür im Alltag tun?
- Welche Wege muss jeder für sich gehen, um dieses Ziel für sich zu erreichen
- Welche Zielvorstellungen verbinden wir damit?
- Wo liegen die Grenzen dessen?
- Können wir es mit dem Know-How in der Einrichtung schaffen oder brauchen wir dafür noch Unterstützung im Rahmen von Supervision oder Fortbildungen?
- Wie können wir vom jetzigen Arbeiten in den neuen Weg überleiten, ohne einen Bruch für die Kinder zu haben?
- Wie machen wir unseren Klienten (Eltern) dies deutlich?
- Usw.
Der Weg ist abgesteckt, die Ziele sind formuliert. Nun geht es an die Umsetzung des neuen Plans. Jeder Erzieher hat hier seinen eigenen Weg. Die Erzieherindividualität spielt eine große Rolle. Doch alle gehen in die selbe Richtung. Der Grundstein für das Profil der ganzheitlichen partizipativ arbeitenden Einrichtung ist gelegt. Dieser Weg wird nun über längere Zeit weiter verfolgt. Die Ziele werden immer wieder überprüft. Der Weg wird immer wieder den wandelnden Bedürfnissen der Gruppe angepasst. Dies geschieht durch ständige Überprüfung der eigenen Arbeit und der Arbeit im gesamten Team.
Eltern werden in den Veränderungsprozess mit einbezogen. Nicht nur die Kinder werden partizipiert, auch deren Eltern. Soweit es pädagogisch vertretbar ist, werden sie in den Alltag und dessen Planung mit einbezogen. Um die Bedürfnisse der Kinder zu befriedigen wird nicht davor zurück geschreckt, Eltern anzusprechen, ob sie bereit sind, z.B. an einem Ausflug teilzunehmen, ein Projekt mit zu betreuen oder das gemeinsame Frühstück der Kinder und andere Aktivitäten auszurichten.
Die Ideen werden verschriftlicht und den Eltern und Außenstehenden zugänglich gemacht.
Diese Einrichtung hat nun ein Profil. Es ist klar umrissen, warum und wie sie etwas machen. Den Eltern ist es klar und sie werden dies in ihrem sozialem Umfeld auch anderen mitteilen. Ist dieses Profil positiv für die Entwicklung der Kinder und sind die Eltern mit der Arbeit zufrieden, dann wird auch im weiteren Umfeld der Einrichtung ein positives Bild dieser Einrichtung entstehen.
Es kommen Eltern in diese Einrichtung, die sich bewusst für diese entschieden haben und nicht "einfach nur irgendeinen Platz" haben wollten.
Für die Erzieher bedeutet diese Entwicklung eine gewisse Mehrbelastung. Sie müssen von alten Strukturen abschied nehmen, Kompromisse eingehen und ihre eigene Arbeit überdenken. Für die meisten Erzieher kann es zu einer neuen Freude an der Arbeit und einem neuen Selbstverständnis kommen.
Doch hierfür braucht es nicht nur die Offenheit aller Teammitglieder, sondern auch Zeit um gemeinsam zu planen, Ideen zu entwickeln und diese Umzusetzen. Leider ist dies Zeit in vielen Einrichtungen nicht gegeben. Die besten Ideen können den Kindern nicht zugute kommen, wenn die Kommunen, Länder und der Bund nicht bereit sind in die Erziehung der Kleinen und Kleinsten ausreichend Geld zu investieren. So bleiben viele Ideen eben Ideen. Und aus motivierten Mitarbeitern werden frustrierte Mitarbeiter, die irgendwann ihre eigene Offenheit für einen solchen Prozess dem personellen Engpass geopfert haben.
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
AntwortenLöschenHallo Came Art,
AntwortenLöschenein tolles Posting! Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Nur etwas schade, dass das Fazit am Schluss genau so düster wie leider auch realistisch ausfällt. Generell ist das "Ideen haben" ja Volkssport, wohingegen das "Ideen verwirklichen" nur wenigen Menschen gelingt. Ich würde mich darüber freuen, wenn du die Möglichkeit dazu für dich findest.
Natürlich muss man dann immer kritikfähig sein und mit Kompromissen leben lernen. Aber das ist immer noch besser für alle beteiligten als Luftschlösser zu malen und die eigenen Ideen am Abend im Lehnstuhl verpuffen zu lassen.
Und grundsätzlich: Wer Fakten schafft der hat sich ein Stück weit selbst verwirklicht.